Emotionskoregulation in Mutter-Kind-Dyaden

Eine dynamische Systemanalyse von Kindern mit und ohne Autismus-Spektrum-Störung - eine Studie von Yuqing Guo & Dana Rose Garfin & Agnes Ly & Wendy A. Goldberg, veröffentlicht im  Journal of Abnormal Child Psychology.

emotion coregulation in mother-child dyas

Abstract
Nur wenige Studien haben Muster der Emotionskoregulation in Familien von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) untersucht oder die Art und Weise verglichen, in der sich ihre Emotionskoregulationsmuster von Familien mit normal entwickelten Kindern (NE) unterscheiden.

Um diese Lücke zu schließen haben wir einen dynamischen Systemansatz angewandt, um flexible Strukturen und emotionale Inhalte der Koregulation zwischen Müttern und Kindern (3-7 Jahre) mit ASS (n = 47) und NE-Kindern (n = 26) zu vergleichen. Spielerische Interaktionen zwischen Mutter und Kind im Haus wurden auf Video aufgezeichnet und die Emotionszustände wurden auf Mikroebene in 5-s Intervallen basierend auf verhaltensbezogene und affektive Äußerungen kodiert.

Die Analysen zeigten, dass Mutter-Kind-Dyaden der ASS-Gruppe gegenüber Dyaden der NE-Gruppen in inkongruenten Emotionszuständen (z. B. Kind negativ/Mutter positiv) mehr Zeit benötigten. Zudem verbrachten Kinder der ASS-Gruppe gegenüber Kindern der NE-Gruppe mehr Zeit damit, sich ausschließlich mit Gegenständen zu beschäftigen. Mutter-Kind-Dyaden der NE-Gruppe verblieben länger in einer wechselseitig positiven Bindung. Im Gegensatz zu Dyaden der NE-Gruppe, wiesen Mutter-Kind-Dyaden der ASS-Gruppe eine höhere Flexibilität auf (d. h. eine größere Bandbreite an Emotionszuständen, häufigere Wechsel der Zustände und geringere Zeit in jedem Zustand). Diese Ergebnisse legen nahe, dass Mütter und ihre Kinder mit ASS in einer stressarmen Umgebung keine dyadisch positiven Bindungsmuster aufrechterhalten.

Die Ergebnisse bestätigten, dass Kinder mit ASS Gegenstände vor sozialen Partner vorziehen, sogar wenn sie zu Hause mit Ihren Müttern sind und verdeutlichen einen herausfordernden Interaktionsstil für andere Kinder. Die Ergebnisse haben Auswirkungen auf Mutter-Kind-Interventionen, die darauf abzielen, negative Emotionszustände zu regulieren und positive in denjenigen Familien aufrechtzuerhalten, die Kinder mit ASS erziehen.

Frühere Theoretiker postulierten, dass unser Verständnis der typischen und atypischen Kindesentwicklung auf Analysen des Emotionsregulationsprozesses (Cole et al. 1994) beruht. Emotionsregulation (d. h. wie Individuen ihre emotionalen Erfahrungen und Äußerungen handhaben) beinhaltet automatische und beabsichtigte Veränderungen des Emotionszustandes (und im weiteren Sinne Verhaltensreaktionen), um lernfähiges oder zielgerichtetes Handeln zu fördern; diese Übergange zwischen den Zuständen werden üblicherweise als Flexibilität bezeichnet (Thompson 1994). Negative Emotionszustände neigen dazu, die Aufmerksamkeitskontrolle zu verringern und Verhaltensreaktionen einzuschränken, wohingegen positive Emotionen dazu neigen, die Aufmerksamkeitskontrolle zu erhöhen und Verhaltensreaktionen auf Umweltanforderungen zu erweitern (Fredrickson et al. 2000). Daher wird eine erhöhte Flexibilität allgemein als eine lernfähige Eigenschaft angesehen. Spezifisch für die frühkindliche Entwicklung sind interne und externe Regulation, welche Flexibilität inkludieren, als kritisch anzusehen, da das Kind einen Wandel von der Abhängigkeit von Bezugspersonen für Emotionsregulation (d. h. externe Regulation) zu selbstregulierenden (d. h. interne Regulation) Prozessen vollzieht (Tronick 1989).

Um die Videos zu kodieren verwendeten die Forscher Mangold INTERACT.

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Studie: Journal of Abnormal Child Psychology