Kognitive Entwicklung bei Kindern mit CHARGE Syndrom

In ihrer Masterarbeit im Kernfach "Klinische Linguistik" untersucht Caroline Lubinski von der Universität Bielefeld die "Wirksamkeit des frühen Lesens zur Förderung des rezeptiven und produktiven Wortschatzes eines Kindes mit CHARGE-Syndrom".

Die qualitative Analyse der Videoaufnahme einer exemplarischen Therapieeinheit, erfolgte mithilfe von Mangold INTERACT. Wir danken der Autorin sehr herzlich, dass wir Ihre Arbeit an dieser Stelle veröffentlichen dürfen.

Einleitung

Aufgrund des medizinischen Fortschritts und der verbesserten Überlebenschancen für Kinder mit schweren Behinderungen werden häufiger seltene Syndrome diagnostiziert.
Die Vielfalt der Syndrome und einhergehender Behinderungen spiegelt sich inzwischen auch im Klientenbild therapeutischer Einrichtungen wider. Doch nach wie vor fehlen evidenzbasierte Daten aus den Fachgebieten der Medizin, aber auch der Pädagogik und insbesondere der Therapie. Eines der seltenen Syndrome für das im deutschsprachigen Raum, aber auch international ein noch großer Forschungsbedarf besteht, ist das CHARGE- Syndrom (Horsch & Scheele, 2008).
Das Syndrom kann zu verschiedenen körperlichen Fehlbildungen, Dysfunktionen kranialer Nerven, sensorischen Einschränkungen und auch Besonderheiten der kognitiven Entwicklung sowie des Persönlichkeitsprofils führen, was sich auf den Spracherwerb der Kinder auswirkt. Die Entwicklungsverläufe sind vielfältig und können von einer Verständigung über vorsprachliche Gesten bis hin zu gebärdeten Mehrwortsätzen reichen.
Trotzdem sind auch Gemeinsamkeiten feststellbar, beispielsweise die Schwierigkeit, dass trotz einer frühzeitigen Versorgung mit einem Cochlea Implantat (CI) häufig keine lautsprachlichen Fähigkeiten entwickelt werden (Lanson et al., 2007). Dies führte zur Idee des Masterprojekts, das Therapiekonzept des frühen Lesens auf das CHARGE-Syndrom zu übertragen. Das Konzept ist insbesondere aus der Förderung von Kindern mit Trisomie 21 bekannt, wurde jedoch inzwischen auch bei anderen Kindern mit besonderen Lernbedürfnissen erfolgreich eingesetzt (Broun & Oelwein, 2007; Wilken, 2010). Die übergeordnete Forschungsfrage der vorliegenden Masterarbeit ist, ob Schriftsprache bei Kindern mit CHARGE-Syndrom eine Brücke zum rezeptiven und produktiven Wortschatz darstellen kann.

Zum besseren Verständnis der Besonderheiten, welche die kommunikativen Entwicklung der Kinder beeinflussen und spezielle Anforderungen an Therapieprogramme stellen, wird im ersten Kapitel der Arbeit ein Überblick über die Merkmale des Syndroms gegeben. Anschließend werden wissenschaftliche Erkenntnisse zur kommunikativen Entwicklung der Kinder zusammengefasst. Dabei wird sowohl die präsymbolische als auch die symbolische Kommunikation betrachtet, da beide Stadien durch Abweichungen von der physiologischen Entwicklung gekennzeichnet sind. Welche Faktoren die Entwicklungsschritte und Kommunikationsformen der Kinder beeinflussen, wird im Anschluss daran erörtert.
Daraufhin wird der Gedanke des frühen Lesens insgesamt und speziell die Oelwein-Methode (OM) vorgestellt, ein Förderprogramm für Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen.
Die praktische Erprobung der multimodalen Methode wird im empirischen Teil der Arbeit schrittweise erklärt, von den Hypothesen und Fragestellungen bis hin zur Erhebung und Auswertung der Daten.

Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse interpretiert und sowohl die Anwendbarkeit der Oelwein-Methode (OM) bei Kindern mit CHARGE-Syndrom als auch Implikationen für zukünftige Forschungsprojekte diskutiert.

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Die Masterarbeit zum Thema "Untersuchung zur Wirksamkeit des frühen Lesens zur Förderung des rezeptiven und produktiven Wortschatzes eines Kindes mit CHARGE-Syndrom" von Caroline Lubinski finden Sie hier zum Download >>>