Studie: Stress schon im Mutterleib?

Sind Mütter in der Schwangerschaft starkem Stress ausgesetzt, kann sich das auf die spätere Entwicklung ihrer Kinder auswirken. Aber welche Folgen hat der Stress für die spätere Psyche des Kindes?

Dieser Frage gehen Forscher an der Universität Basel nach. Sie gehen davon aus, dass sich pränatale Risikofaktoren auf die Hirnentwicklung auswirken und somit bedeutende Einflussfaktoren für spätere Verhaltensprobleme von Kindern sind. Eine aktuelle Studie, für die Mangold INTERACT eingesetzt wurde, untersucht den Zusammenhang des Stresslevels der Mutter und der Emotionsregulation des Kindes.

Zu lernen, mit den eigenen Emotionen umzugehen, ist eine zentrale Entwicklung der ersten drei Lebensjahre. Die Kinder lernen, Aktionen ihres Umfeldes zu interpretieren, ihre Gefühle darauf zu verstehen, mögliche Reaktionen abzuwägen und reflexartige, unangemessene Handlungen zu vermeiden. Es wird angenommen, dass Personen, die über gute Mechanismen der Emotionsregulation verfügen, seltener an psychischen Erkrankungen leiden, wogegen Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation die Gefahr späterer psychischer Erkrankungen erhöhen.

Im Rahmen der Studie wurde bei den Müttern während der Schwangerschaft zu verschiedenen Zeiten die Cortisol-Konzentration gemessen, um Rückschlüsse auf die Stressbelastung führen zu können. Die Neugeborenen wurden zwischen den postnatalen Tagen 10 und 14 neuropsychologischen Tests unterzogen, um ihre Reaktivität auf Stimulation zu untersuchen. Selbstberuhigungsaktivitäten des Säuglings, als Indikator für die Emotionsregulation, wurden im Alter von sechs Monaten evaluiert.

Die Studie überprüft die Annahme, dass das Temperament des Kindes, basierend auf der Reaktivität auf Stimulation, die vorgeburtlichen Einflüsse auf die postnatale Emotionsregulation mäßigen kann. Die Daten legen nahe, dass das Temperament des Neugeborenen somit ein relevanter Faktor für die differentielle Anfälligkeit ist.

Bolten, M., Nast, I., Skrundz, M., Stadler, C., Hellhammer, D., Meinlschmidt, G. (2013): Prenatal programming of emotion regulation: Neonatal reactivity as a differential susceptibility factor moderating the outcome of prenatal cortisol levels. In: Journal of Psychosomatic Research, Vol 75 (4), S. 351-357.