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Produkt  · 9 min read

Mangold INTERACT: Software für videobasierte Verhaltensbeobachtung und Codierung

Wie INTERACT das zentrale Problem der videobasierten Verhaltensbeobachtung löst: präzise Zeitstempel, überlappende Events, iterative Analyse und Integration physiologischer Daten - methodisch begründet.

Wie INTERACT das zentrale Problem der videobasierten Verhaltensbeobachtung löst: präzise Zeitstempel, überlappende Events, iterative Analyse und Integration physiologischer Daten - methodisch begründet.

Mangold INTERACT ist ein international etablierter Standard für die videobasierte Verhaltensbeobachtung und Verhaltenskodierung in Forschung, Lehre und angewandter Praxis. Seit mehr als 35 Jahren wird die Software weltweit in wissenschaftlichen, klinischen und institutionellen Kontexten eingesetzt und steht für methodische Präzision, wissenschaftliche Stringenz und analytische Zuverlässigkeit. INTERACT ermöglicht die systematische Erfassung, zeitpräzise Kodierung und differenzierte Auswertung von Verhalten auf der Basis von Audio- und Videodaten. Durch die Integration synchronisierter multimodaler Datenströme, einschließlich physiologischer Messdaten wie EEG oder elektrodermaler Aktivität, unterstützt die Software auch komplexe Forschungsdesigns auf hohem wissenschaftlichem Niveau. Mit Funktionen zur Interrater-Reliabilität, Sequenz- und Kontingenzanalyse sowie flexibel konfigurierbaren Kodierschemata bietet Mangold INTERACT eine belastbare und wissenschaftlich fundierte Plattform für anspruchsvolle Beobachtungsforschung in Psychologie, Medizin, Pädagogik, Ethologie und vielen weiteren Disziplinen.

Mangold INTERACT: Videobasierte Verhaltensbeobachtung auf wissenschaftlichem Niveau

Bei der videogestützter Verhaltensbeobachtung beginnt eigentliche Herausforderung beginnt nicht vor der Kamera, sondern danach. Was in der Realität als kontinuierlicher Fluss von Aktionen, Reaktionen und Gleichzeitigkeiten abläuft, muss in eine Datenstruktur überführt werden, die spätere Analyse ermöglicht - ohne den zeitlichen Zusammenhang zu zerstören, der den Kern der Erkenntnisfrage ausmacht. Mangold INTERACT wurde entwickelt, um genau dieses Problem methodisch zu lösen.

Die Software ist seit über 35 Jahren in Psychologie, Pädagogik, Medizin, Arbeitswissenschaft und Ethologie im Einsatz - als 360° Forschungssoftware, die von Anfang an um die Anforderungen der Verhaltensbeobachtung herum gebaut wurde. Dieser Beitrag beschreibt, welche methodischen Entscheidungen dabei getroffen wurden und welche Konsequenzen das für den Forschungsalltag hat.

Was ist INTERACT

Im Kern ist INTERACT eine Software zur videobasierten Verhaltenscodierung und Verhaltensanalyse. Sie begleitet den Forschungsprozess von der Entwicklung des Kodierungsschemas über die eigentliche Kodierung bis zur Analyse - ohne dass Daten zwischendurch in ein anderes Programm exportiert werden müssen, vor allem solange sich die Fragestellung auf zeitliche Zusammenhänge des beobachteten Geschehens bezieht.

Konkret: INTERACT ermöglicht das zeitsynchrone Abspielen mehrerer Audio- und Videodateien, die parallele Kodierung durch mehrere Personen, berechnet Inter-Rater-Reliabilität, führt Sequenz- und Kontingenzanalysen durch und kann physiologische Messdaten, beispielsweise EEG-Signale oder Hautleitwert Messungen zeitlich mit dem Videomaterial verknüpfen. Den wichtigen zeitlichen Zusammenhang zwischen Datenpunkten, der bei einem Export in klassische Statistikprogramme verloren geht, hält INTERACT dabei intern aufrecht - das ist ein methodisches Grundprinzip und ein wesentlicher Vorteil von INTERACT.

FunktionBeschreibung
Zeitpräzision auf 100 NanosekundenHochpräzise Zeitstempel ermöglichen die exakte Zuordnung jedes Events zum Videoframe - relevant für bildgenaue Analyse schneller oder komplexer Verhaltenssequenzen.
Flexible KodierschemataKlassen, Codes, Transkriptfelder und lexikalische Ketten sind frei definierbar - von einfachen Nominalskalen bis zu rekursiv strukturierten Systemen wie FACS.
Alle gängigen Sampling-MethodenEvent-Sampling, Time-Sampling, Ad-libitum, Scan-Sampling, Focal-Sampling - auch beliebig innerhalb eines Projekts kombinierbar.
Multi-Stream-SynchronisationSimultane Kodierung mehrerer Video- und Audiodateien mit gesicherter temporaler Kohärenz aller Datenströme.
Workflow-Editor & Python-IntegrationAnalyse-Pipelines skriptbasiert automatisieren und reproduzierbar dokumentieren - auch für spezialisierte Berechnungen wie HRV aus Rohdaten.
Iterative SekundäranalyseAnalyseergebnisse werden als neue, zeitgestempelte Events zurückgeschrieben und stehen unmittelbar für Folgeanalysen zur Verfügung.

Anwendungsbereiche

Der Einsatz eines softwarebasierten Analysewerkzeugs ist bei Beobachtungsstudien grundsätzlich der Papier & Bleistift Methode vorzuziehen. Spätestens, wenn Fragestellungen der Art wann, wie lange und in welchem Zusammenhang mit anderen Verhaltensweisen ein Verhalten oder Ereignis auftritt. Beziehungsweise ob und welche Verhaltensmuster es gibt und wie die Datenqualität der Beobachtung zu bewerten ist (z. B.: Inter-Rater-Reliabilität). INTERACT wird u.a. verwendet in:

  • Entwicklungspsychologie & Pädiatrie: Mutter-Kind-Interaktionen, frühkindliche Entwicklungsstudien, Frühförderung
  • Arbeits- & Organisationspsychologie: Teamkommunikation, Führungsverhalten, Besprechungsanalyse, Motivational Interviewing
  • Klinische Forschung & Therapie: Verhaltensbeobachtung in Interventionsstudien, Schmerzforschung, psychiatrische Diagnostik
  • Ethologie & Tierverhalten: Langzeitstudien mit Time-Sampling, Verhaltensbeobachtung in natürlichen und kontrollierten Umgebungen
  • Usability & Human Factors: Mensch-Maschine-Interaktion, Eyetracking-Integration, Nutzerstudien
  • Sportwissenschaft: Bewegungsanalyse, Technikbeurteilung, taktisches Verhalten
  • Bildungsforschung: Unterrichtsbeobachtung, Lernverhalten, Interaktionsanalyse in Schulklassen

Das Datenmodell von INTERACT: Beliebige und Präzise Zeitintervalle

Die meisten Beobachtungstools arbeiten mit einer kontinuierlichen Zeitlinie: Jedes neu erfasste Ereignis markiert implizit das Ende des vorherigen. Diese Logik ist für bestimmte ethologische Studiendesigns praktisch, setzt aber voraus, dass Verhalten lückenlos und in sequenzieller Abfolge auftritt - eine Annahme, die viele Forschungsfragen nicht abbildet.

Wer schon einmal versucht hat, überlappende Verhaltenssequenzen mehrerer Personen in einer Software zu kodieren, die intern auf einer fortlaufenden Zeitlinie besteht, kennt das Problem: Das Modell erzwingt Entscheidungen, die methodisch nicht begründbar sind. INTERACT löst das durch ein anderes Grundprinzip.

Jeder erfasste Datenpunkt - intern als Ereignis / Event bezeichnet - besitzt einen expliziten Startzeitpunkt und einen expliziten Endzeitpunkt. Jedes solche Ereignis ist zeitlich unabhängig von allen anderen, kann nachträglich jederzeit geändert, für Analysen gefiltert und mit anderen Daten neu kombiniert werden. Wenn Start- und Endzeit identisch sind, entspricht das einem Momentanwert im Sinne des Momentary-Time-Sampling. Damit ist INTERACT methodenunabhängig und schreibt keine bestimmte Stichprobesystematik vor - es passt sich der Studie an, nicht umgekehrt.

Eine praktische Konsequenz dieser Art der Ereigniserfassung: Mehrere Kodierer können parallel am selben Videomaterial arbeiten. Eine Kodiererin erfasst beispielsweise die verbalen Äußerungen, ein Kollege zeitgleich die Blickrichtungen. Beide Datensätze lassen sich unabhängig voneinander exakt zeitsynchron auswerten, ohne dass eine der beiden Kodierungen die andere beeinflusst. Zur kombinierten Analyse lassen sich solche Daten einfach in einer Datei zusammenfassen, da INTERACT den zeitlichen Zusammenhang automatisch erkennt und beliebig viele zeit-parallele und überlappende Ereignisse zulässt.

INTERACT speichert Zeitstempel mit einer Präzision von 100-Nanosekunden. Dies mag akademisch erscheinen, ist jedoch praktisch von großer Bedeutung. Bei 25 Videobildern pro Sekunde (PAL-Norm) beträgt die Dauer eines Bildes 40 ms, bei 30 Bildern Pro Sekunde (NTSC Norm) hingegen 33,3333333… ms. Systeme, die Zeitstempel als Fließkommazahl in Sekunden ablegen, können relativ schnell Rundungsfehler akkumulieren, die bei statistischen Auswertungen oder der Suche nach Verhaltensmustern zu falschen Ergebnissen führen. Ein Fehler, der in den Rohdaten unsichtbar bleibt und sich erst spät bemerkbar machen kann, wenn es um valide wissenschaftliche Ergebnisse geht.

Mangold INTERACT main screen

Vom Event zur Erkenntnis: Iterative Analyse

Häufigkeit und Dauer von Codes sind ein sinnvoller Ausgangspunkt - aber die interessanten Fragen in Beobachtungsstudien beginnen meist erst danach. Was geschieht sonst noch alles, während zwei bestimmte Verhaltensweisen gleichzeitig auftreten? Wie lange dauert es, bis auf eine komplexe Handlung eine Reaktion folgt? Verändert sich diese Latenz im Verlauf einer Therapie oder eines Lernprozesses? Solche Fragen betreffen die zeitliche Struktur von Verhalten, nicht nur dessen bloße Häufigkeit.

INTERACT adressiert das durch ein iteratives Analyseprinzip: Ergebnisse eines Analyseschritts - etwa identifizierte Co-occurrence-Intervalle - werden als neue, zeitgestempelte Events in die Datenbasis zurückgeschrieben. Diese sekundären Events stehen unmittelbar für Folgeanalysen zur Verfügung. Man kann also fragen, was innerhalb der gefundenen Kontingenzintervalle noch passiert, dieses Ergebnis wiederum als Grundlage einer nächsten Auswertung nutzen, und so weiter. Der zeitliche Zusammenhang bleibt in jedem Schritt erhalten.

AnalysefunktionBeschreibung
Co-occurrence-AnalyseIdentifikation gleichzeitig auftretender Codes; zeitlicher Abstand zwischen Code A und Code B
SequenzanalyseLag-Sequential Analysis sowie Mustersuche über frei definierbare Code-Kombinationen
KontingenzanalyseFlexibel definierbare Kontingenzfenster; Extraktion und Folgeanalyse der enthaltenen Code-Abschnitte
State-Space-GridsVisualisierung dynamischer Verhaltensverläufe als räumliche Zustandsgitter (nach Hollenstein)
Inter-Rater-ReliabilitätBerechnung auf Basis echter Code-Überlappungen, unabhängig von Intervallgrenzen
Timeline-VisualisierungInteraktive Zeitlinien, Chord-Diagramme, Häufigkeitsdiagramme - direkt in der Software
Python-IntegrationEigene Skripte im Workflow-Editor einbinden - für spezialisierte Berechnungen und Datenmanipulationen

Ein konkretes Beispiel: „Wie lange dauert es nach dem gleichzeitigen Auftreten von Blickkontakt und vokaler Äußerung bei Person A, bis Person B eine Kontaktaufnahme initiiert - und verändert sich diese Latenz im Therapieverlauf?” Diese Frage setzt voraus, dass Co-occurrences identifiziert, in Zeitintervalle übersetzt und anschließend als Kontext für eine Folgeanalyse genutzt werden können. Mit case-orientierten Statistikprogrammen ist das kaum zu formulieren, weil diese den zeitlichen Zusammenhang zwischen Datenpunkten beim Export üblicherweise nicht erhalten.

„INTERACT has revolutionized our approach to data analysis, ensuring precision and real-time adaptability.” Heather Henderson, Prof. Ph.D.,University of Waterloo, Canada

Mangold INTERACT Timeline Chart

Kodierschemata: Struktur als Voraussetzung für Reliabilität

Ein gut konstruiertes Kodierungsschema ist keine Formalität - es entscheidet darüber, welche Forschungsfragen am Ende mit den erhobenen Daten beantwortet werden können. INTERACT unterstützt die Entwicklung und Anwendung solcher Schemata von einfachen Nominalklassen bis zu hierarchisch verschachtelten oder rekursiv verknüpften Kodiersystemen. Das Grundprinzip: Codes sind operationale Verhaltenseinheiten, die genau einen Sachverhalt beschreiben und sich damit gegenseitig ausschließen (z.B. “Augen offen”, “Augen geschlossen” / oder “Zeigen”, “Greifen”, “Schreiben”). Klassen fassen thematisch zusammengehörige Codes zusammen (z.B. “Gestik”, “Mimik”, “Ausdrucksform”, “Emotion”).

Das Konzept der lexikalischen Ketten ist für die effiziente und effektive Kodierung besonders interessant: Codes aus mehreren Klassen werden während der Eingabe zu Sequenzen kombiniert, ohne dass jede mögliche Kombination vorab definiert sein muss. Das reduziert die kognitive Last für die kodierenden Personen erheblich - und damit auch die Fehlerrate. Das Facial Action Coding System (FACS) beispielsweise, das in der Mimikanalyse über sehr viele Kombinationen aus Muskel, Bewegungsrichtung und Intensität kennt, lässt sich in INTERACT über drei rekursive Klassen vollständig abbilden, ohne dass die Kodierperson Hunderte von Einzelcodes im Kopf behalten muss. Beim lexikalischen Kodieren vergibt die kodierende Person einfach die aktuell gewünschten Werte Muskel - Bewegung - Intensität in dieser Reihenfolge und kann damit sehr schnell und leicht komplexe Kodierungen vornehmen.

Dass Codes mit konkreten Verhaltensmerkmalen beschrieben sein sollten - und nicht mit numerischen Kürzeln, die im Zweifelsfall eine Transferleistung erfordern - klingt selbstverständlich, wird in der Praxis aber häufig vernachlässigt. INTERACT macht es einfach, Codes mit konkreten Begriffen zu definieren (z.B. “Freundlich”, “hebt Hand”, “Offene Frage” anstatt “FR”, “HH”, “2” o.ä.). Das erleichtet das Erlernen (Rater-Training) und die praktische Anwendung erheblich. Allen solchen deskriptiven Codes können einfach beliebige Kürzel oder Zahlen zugewiesen werden, so dass die deskriptiven Codes beim Datenexport automatisch in die gewünschten Kürzel umgewandelt werden, falls nötig.

Mangold INTERACT State Space Grid

Integration in den Forschungsworkflow

Verhaltensbeobachtung liefert selten in sich geschlossene Daten - häufig soll das Kodierungsergebnis mit physiologischen Messwerten, Eyetracking-Daten , EEG-Signalen oder Hautleitwiderstandswerten in Bezug gesetzt werden. In INTERACT lassen sich solche externe Datenquellen zeitlich mit dem Videomaterial verknüpfen, sodass Verhaltenssequenzen und Biosignale auf derselben Zeitachse analysiert werden können.

Für wiederkehrende Analyseprozesse bietet der Workflow-Editor die Möglichkeit, komplexe Analyseabläufe zu konfigurieren und zu automatisieren. Einzelne Schritte - Datenselektion, Transformation, Analyse, Export - werden als Knoten definiert und können mit Python-Skripten erweitert werden. Das Ergebnis sind reproduzierbare, dokumentierte Abläufe, die allen Projektmitgliedern automatisch zur Verfügung stehe. Gerade in Multi-Site-Studien und bei der Vorbereitung auf Replizierbarkeit ist das mehr als nur ein Komfort, sondern eine methodische Notwendigkeit.

Zur Wahl der richtigen Software

Welche Beobachtungssoftware für ein Projekt geeignet ist, hängt von der Datenstruktur ab, die das Studiendesign erfordert. Software, die auf dem kontinuierlichen Zeitlinien-Paradigma aufbaut, funktioniert gut für Designs, in denen lückenlose, nicht-überlappende Zustandssequenzen das Verhalten beschreiben. Wo Parallelkodierung, überlappende Codes, nicht-chronologische Erfassung oder die Rückführung von Analyseergebnissen in die Datenbasis erforderlich sind, stoßen solche Modelle an strukturelle Grenzen.

Die sinnvollste Frage vor Projektbeginn lautet daher nicht „Welche Software ist am verbreitetsten?”, sondern: Welche Datenstruktur und Erfassungsmethode bildet die Forschungsfrage am genauesten ab - und welche Analysen sollen ohne Datenexport und Informationsverlust durchführbar sein? Diese Entscheidung im Nachhinein zu korrigieren, ist erfahrungsgemäß aufwändig.

“Our experience with INTERACT was excellent. The software is friendly, intuitive to use, gives precise results and supports comprehensive behavioral pattern analysis.” Ruth Feldman, Prof. Ph.D., Best Female Scientist 2022, Expertscape World Expert, Herzlia Israel

Mangold INTERACT Workflow Editor

Einsatz in Forschung und Lehre

INTERACT ist in einer Reihe von Standardwerken zur Verhaltensbeobachtung und Gruppeninteraktionsforschung dokumentiert, darunter im Cambridge Handbook of Group Interaction Analysis (Glüer & Boos, 2018). Die Software findet sich als Erhebungsinstrument in peer-reviewed Publikationen aus Entwicklungspsychologie, Organisationspsychologie, klinischer Forschung und Ethologie - ein Beleg dafür, dass das Datenmodell tatsächlich disziplinübergreifend funktioniert, nicht nur in der Theorie.

Mangold International stellt Dokumentation, Video-Tutorials und technischen Support bereit.

INTERACT: Die 360° Software für Ihren gesamten Forschungs-Workflow

Von der Audio/Video-Inhaltskodierung und Transkription bis zur Analyse bietet INTERACT alles in einem Tool.

Mangold INTERACT video coding on a MacBook

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Was ist Mangold INTERACT und wofür wird die Software verwendet?
Mangold INTERACT ist eine Software zur videobasierten Verhaltenscodierung und -analyse, speziell für wissenschaftliche Beobachtungsstudien entwickelt. Sie kodiert Verhalten in Audio- und Videoaufzeichnungen systematisch, verortet es zeitlich und wertet es statistisch aus. Im Unterschied zu allgemeinen Videotools oder Statistikprogrammen hält INTERACT den zeitlichen Zusammenhang zwischen Datenpunkten über alle Analyseschritte hinweg aufrecht - Voraussetzung für Sequenz-, Kontingenz- und Co-occurrence-Analysen. Die Software ist seit über 35 Jahren in Psychologie, Pädagogik, Medizin, Ethologie und Arbeitswissenschaft im Einsatz.
In welchen Forschungsdisziplinen wird Mangold INTERACT eingesetzt?
Mangold INTERACT wird überall dort eingesetzt, wo zeitliches Auftreten, Dauer und Abfolge von Verhaltensweisen analysiert werden. Dokumentierte Einsatzfelder: Entwicklungspsychologie und Pädiatrie, Arbeits- und Organisationspsychologie, klinische Forschung und Therapie, Ethologie und Tierverhalten, Usability- und Human-Factors-Forschung, Sportwissenschaft sowie Bildungsforschung. Die Software ist im Cambridge Handbook of Group Interaction Analysis (Glüer & Boos, 2018) dokumentiert.
Wie unterscheidet sich Mangold INTERACT von anderen Beobachtungstools?
Die meisten Beobachtungstools arbeiten mit einer kontinuierlichen Zeitlinie, bei der jedes neue Event implizit das Ende des vorherigen markiert. Mangold INTERACT verwendet ein anderes Grundprinzip: Jeder Datenpunkt hat einen expliziten Start- und Endzeitpunkt und ist zeitlich unabhängig von allen anderen. Das erlaubt überlappende Codes, nicht-chronologische Erfassung und parallele Arbeit mehrerer Kodierer. Analyseergebnisse können zudem als neue zeitgestempelte Events zurückgeschrieben und in Folgeanalysen weiterverwendet werden - ohne den zeitlichen Zusammenhang zu verlieren.
Welche Beobachtungs-Sampling-Methoden unterstützt Mangold INTERACT?
Mangold INTERACT unterstützt alle gängigen Methoden: Event-Sampling, Time-Sampling, Ad-libitum-Sampling, Scan-Sampling und Focal-Sampling. Da das Datenmodell keine bestimmte Methode vorschreibt, können diese innerhalb desselben Projekts kombiniert werden. Wenn Start- und Endzeit eines Events identisch sind, entspricht das automatisch einem Momentanwert im Sinne des Momentary-Time-Sampling. Die Software erzwingt kein bestimmtes Erhebungsparadigma.
Kann Mangold INTERACT mehrere Video- und Audiodateien gleichzeitig verarbeiten?
Ja. Mangold INTERACT ermöglicht die simultane Kodierung mehrerer Audio- und Videostreams bei gesicherter temporaler Kohärenz. Kamerawinkel, Mikrofone und weitere Aufnahmequellen können synchron abgespielt und kodiert werden. Besonders relevant für Studien mit mehreren gleichzeitig beobachteten Personen oder bei Kombination von Verhaltensdaten mit physiologischen Messungen (EEG, Herzrate, Hautleitfähigkeit) oder Eyetracking-Signalen.
Wie hoch ist die Zeitstempel-Genauigkeit von Mangold INTERACT?
Mangold INTERACT speichert Zeitstempel mit einer Auflösung von 100 Nanosekunden - das ist entscheidend für frame-genaue Videoanalysen und schnelle Verhaltenssequenzen wie Mimikanalysen, Sprecherwechsel oder neonatale Reaktionen. Systeme, die Zeitstempel als Fließkommazahl ablegen, können über lange Beobachtungszeiträume Rundungsfehler akkumulieren, die in den Rohdaten unsichtbar bleiben.
Was ist eine lexikalische Kette in Mangold INTERACT und wozu dient sie?
Lexikalische Ketten machen die Kodierung in Mangold INTERACT effizienter und fehlerresistenter. Statt jede mögliche Code-Kombination vorab zu definieren, werden Codes aus verschiedenen Klassen während der Eingabe dynamisch kombiniert. Das reduziert die kognitive Last erheblich. Das Facial Action Coding System (FACS) mit hunderten von Kombinationen aus Muskel, Bewegungsrichtung und Intensität lässt sich so über drei rekursive Klassen vollständig abbilden - ohne Hunderte von Einzelcodes auswendig lernen zu müssen.
Wie funktioniert die iterative Sekundäranalyse in Mangold INTERACT?
Ergebnisse eines Analyseschritts in Mangold INTERACT - etwa identifizierte Co-occurrence- oder Kontingenzintervalle - werden als neue zeitgestempelte Events zurückgeschrieben und stehen sofort für weitere Schritte zur Verfügung. Man kann fragen, was innerhalb der gefundenen Intervalle geschieht, dieses Ergebnis als Eingabe für den nächsten Schritt nutzen usw. - ohne Export und ohne Verlust des zeitlichen Zusammenhangs. Das ermöglicht Fragestellungen, die mit SPSS oder R kaum formulierbar sind.
Welche Analysefunktionen bietet Mangold INTERACT?
Mangold INTERACT bietet: Co-occurrence-Analyse, Sequenzanalyse inkl. Lag-Sequential Analysis, Kontingenzanalyse mit flexiblen Zeitfenstern, State-Space-Grids (nach Hollenstein), Inter-Rater-Reliabilitätsberechnungen auf Basis echter Code-Überlappungen sowie Zeitlinien, Chord-Diagramme und Häufigkeitsdiagramme. Über den integrierten Workflow-Editor können eigene Python-Skripte eingebunden werden, z. B. für die Berechnung von Herzratenvariabilität (HRV) aus Rohdaten.
Kann Mangold INTERACT mit physiologischen Messsystemen oder Eye Tracking kombiniert werden?
Ja. Mangold INTERACT verknüpft externe Datenquellen - EEG, Herzrate, Hautleitfähigkeit u. ä. - zeitlich mit dem Videomaterial. Verhaltenssequenzen und Biosignale liegen dann auf derselben Zeitachse und können gemeinsam analysiert werden. Besonders relevant für multimodale Forschungsfragen, bei denen Verhaltensdaten und biologische Reaktionen im zeitlichen Zusammenhang untersucht werden.
Unterstützt Mangold INTERACT die parallele Arbeit mehrerer Kodierer?
Ja. Da das Datenmodell von Mangold INTERACT auf expliziten, unabhängigen Zeitintervallen aufbaut, können mehrere Kodierer parallel am selben Material arbeiten und ihre Datensätze konfliktfrei zusammenführen. Eine Kodiererin erfasst verbale Äußerungen, ein Kollege Blickrichtungen - beide Datensätze lassen sich exakt synchronisieren und gemeinsam auswerten. INTERACT berechnet auch Inter-Rater-Reliabilität auf Basis echter Code-Überlappungen.
Lässt sich Mangold INTERACT mit anderen Analyseprogrammen kombinieren?
Ja. Mangold INTERACT exportiert Daten in Formate für R, SPSS, Python und Excel und kann Daten aus Excel und CSV importieren. Daten können außerdem direkt im SDIS-Format für die Sequenzanalyse in GSEQ exportiert werden.
Kann man Analyseprozesse in Mangold INTERACT automatisieren?
Ja. Der integrierte Workflow-Editor von Mangold INTERACT ermöglicht die Konfiguration und Automatisierung mehrstufiger Pipelines, die mit Python-Skripten erweiterbar sind. Das schafft reproduzierbare, dokumentierte Analyseprozesse - eine Anforderung, die in Multi-Site-Studien und bei der Vorbereitung auf Replizierbarkeit zunehmend wichtig wird.
Für welche Studiendesigns ist Mangold INTERACT besonders geeignet?
Mangold INTERACT eignet sich besonders für Designs, bei denen die zeitliche Struktur von Verhalten zentral ist: wann ein Verhalten auftritt, wie lange es dauert, mit welchen anderen Verhaltensweisen es gleichzeitig vorkommt und welche Sequenzen oder Kontingenzen entstehen. Designs mit überlappenden Codes, paralleler Kodierung, multimodalen Datenquellen oder iterativen Analyseabläufen profitieren besonders vom Datenmodell.
Kann Mangold INTERACT für Mixed-Methods-Forschung verwendet werden?
Ja. Mangold INTERACT führt qualitative und quantitative Daten auf derselben Zeitachse zusammen. Transkripte, offene Beschreibungen und Beobachtungsnotizen lassen sich direkt an kodierten Zeitintervallen erfassen und mit gleichzeitig erfassten quantitativen Codes verknüpfen. Physiologische Messdaten können als weitere Schicht integriert werden, sodass Verhaltensbeobachtung, verbale Daten und biologische Reaktionen in einem einheitlichen Zeitrahmen analysiert werden können.
Warum wählen Forscher Mangold INTERACT statt anderer Beobachtungssoftware?
Mangold INTERACT ist das flexibelste Werkzeug für Studien, bei denen zeitliche Struktur eine Rolle spielt: Alle erfassten Daten können jederzeit editiert werden, während der zeitliche Zusammenhang stets erhalten bleibt. INTERACT beherrscht Information Mining und ermöglicht damit Antworten auf Fragen, die mit klassischen deskriptiven Analysen verborgen bleiben. Seit über 35 Jahren weltweit im Forschungseinsatz gilt es als wissenschaftlich fundiertes und zuverlässiges Werkzeug.
Wie ist Mangold INTERACT in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert?
Mangold INTERACT ist in Standardwerken zur Verhaltensbeobachtung dokumentiert, darunter im Cambridge Handbook of Group Interaction Analysis (Glüer & Boos, 2018). Die Software findet sich als Erhebungsinstrument in peer-reviewed Publikationen aus Entwicklungspsychologie, Organisationspsychologie, klinischer Forschung und Ethologie. Eine Auswahl ist auf dieser Website unter Forschung → Publikationen zu finden.

INTERACT: Die 360° Software für Ihren gesamten Forschungs-Workflow

Von der Audio/Video-Inhaltskodierung und Transkription bis zur Analyse bietet INTERACT alles in einem Tool.

Mangold INTERACT video coding on a MacBook